Hyperlinks und Video

Auf NewTeeVee habe ich gerade gelesen, dass das US-Startup Asterpix eine Hyperlink-Technik entwickelt hat, an der auch andere Unternehmen zurzeit fleißig werkeln: Beliebige Objekte innerhalb eines Video-Streams können während der gesamten Spieldauer angeklickt und mit weiteren Informationen versehen werden, siehe Beispiel.

Einerseits lässt sich diese Technik – sparsam eingesetzt – vermutlich ganz gut für das Story-Telling verwenden. Im laufenden Video könnten User z.B. weitere Informationen über einen Protagonisten abrufen oder in einen anderen Handlungsstrang wechseln.

Verlinkte Personen bzw. Objekte werden mit einen sog. „Hotspot“ (ein kleiner, animierter Kreis) markiert, der sich „motion-tracking“-ähnlich permanent mit der Person durch die Szene bewegt (auf Dauer kann das optisch natürlich sehr ablenken). Beim Klick wird das Video angehalten und ein neues Browser-Fenster mit Zusatzinformationen geöffnet.

Wem es um die Möglichkeiten geht, mit Videos Geld zu verdienen, wird mit dieser Technik natürlich auch ganz neue Chancen wittern.

Angemessenes Honorar für Online-Videos?

Seit einiger Zeit frage ich mich, welchen Einfluss der Online-Video-Boom auf die Höhe der Honorare nehmen wird. Die Qualitätsansprüche scheinen bei verschiedenen Redaktionen ja sehr unterschiedlich zu sein, wenn man sich die Formate auf einigen Seiten mal so ansieht.

Viele Videos sind absolute Schnellschüsse, bei denen weder auf Text, Bild oder Ton Wert gelegt wird – also eigentlich auf gar nichts.

Leider fehlt mir der Überblick, wie gut oder schlecht einzelne Redaktionen ihre freien VJs bezahlen. Daher würden mich Eure Erfahrungen mal interessieren.

Zum Vergleich: Nehmen wir den WDR mal als Maßstab, weil Honorarhöhen dort in der Regel das Ergebnis tariflicher Verhandlungen sind. Dort zahlt man – sofern der öffentlich einsehbare Honorarrahmen (PDF, 70 kB) auf den Freienseiten keine falschen Informationen enthält – für einen 2’30er ein Honorar von 459,05 Euro.

Hinzu kommt laut verdi-Freibrief Nr. 58 (PDF, 60 kB) ein Zuschlag von 110,- Euro für die Produktion (also Schnitt, Tonmischung) sowie 50,- Euro für den Einsatz eigener Technik (Kamera, Stativ, Licht, Mikro). Macht insgesamt: 619,05 Euro.

Die Produktion eines Videos fürs Web läuft im Grunde genauso wie fürs Fernsehen – der Aufwand ist also identisch.

Aber wie sieht’s mit den Honoraren aus?

(Update am 04.02.2008: Der DJV hat eine Honorarempfehlung für Online-Video veröffentlicht, siehe hier.)

tiva.tv

Anfang des Jahres hatte ich mal ein paar Zeilen dazu geschrieben, welche Online-Modelle sich gerade für freie Videojournalisten entwickeln. Darin ging es unter anderem um eine Berliner Agentur, die – damals noch unter dem Namen vodboxx.tv – eine Plattform starten wollte, die als Schnittstelle zwischen Produzenten und redaktionellen Abnehmern von Video-Beiträgen steht. Damals gab es unter vodboxx.tv noch nichts zu sehen.

Inzwischen ist die Plattform in einem sehr frühen Stadium da und heißt jetzt tiva.tv.

Auf den ersten Blick sieht tiva.tv aus wie die direkte Konkurrenz zum Anbieter Zoom.in: tiva.tv will ein weltweites Netz von professionellen, freien Videojournalisten aufbauen, die ihre Beiträge auf die Website hochladen können. Redaktionen können dieses Material sichten und bei Bedarf für die eigene Website lizenzieren.

Das Lizenzmodell hinter tiva.tv ist auf der Website zwar nicht veröffentlicht, wurde mir aber von einem Mitarbeiter zugemailt. Ein Beispiel: Möchte eine Redaktion ein etwa drei- bis fünfminütiges Stück exklusiv lizenzieren, kostet das für 5000 Abrufe 2000,- Euro. Zum Vergleich: Non-exklusiv würde es 800,- Euro kosten. Der VJ wird an den Erlösen prozentual beteiligt.

Bestehen besondere Wünsche, sollen Redaktionen auch Aufträge erteilen können, die tiva.tv dann an bestimmte VJs weitergibt. Preise sind dann Verhandlungssache.

Ich kann mir vorstellen, dass das Konzept aufgeht, wenn von vornherein Wert auf eine bestimmte Qualität gelegt wird und die Videos sich wirklich stark unterscheiden von Reuters, Zoom.in oder anderen Anbietern.

Wirkliche Exklusivität und eine eigene Handschrift sichern sich Redaktionen auf Sicht vermutlich aber nur mit eigenen Autoren, die sie – und niemand anders – unter Vertrag haben.