Flip-Rohmaterial in der Postproduktion mit Final Cut Pro, Teil 1: Flip Ultra und Flip Mino

Die kleine Flip ist eine wunderbare Ergänzung, die eigentlich in jeder Online-Redaktion eingesetzt werden sollte.

Redakteure können damit – nach kurzer Einarbeitung und ohne dass sie sich mit komplexer Videotechnik auseinandersetzen müssen – O-Töne und kurze Clips von ihren Recherchen mitbringen, die sie dann an einen Videoredakteur zur Bearbeitung weitergeben.

Mit solchem zusätzlich gewonnenen Material könnten viele Texte mit kurzen, direkt eingebetteten Clips gezielt angereichert werden (siehe in diesem Zusammenhang auch Andy Dickinsons Einschätzungen).

Doch so einfach die Flip zu bedienen ist: Für die Nachbearbeitung sollten Sie zunächst einen geeigneten Workflow entwickeln. Dazu ein paar Empfehlungen für die Arbeit mit Final Cut Pro.

Die Flip zeichnet in den Versionen „Ultra“ und „Mino“ ihre Videodaten mit einer Auflösung von 640×480 Pixeln auf und verwendet dazu den 3ivx-Codec bei einer Bitrate von maximal 4800 kbps.

Zunächst einmal müssen Sie diesen Codec im System installieren, sofern er noch nicht vorhanden ist. Dazu empfehle ich das kostenlose Perian, das Quicktime um eine ganze Reihe Codecs erweitert.

Nachdem Sie die Video-Dateien von der Flip auf die Festplatte kopiert haben, könnten Sie sie eigentlich direkt per Drag&Drop in den FCP-Browser ziehen. Eigentlich.

Ich empfehle aber, sie vorher mit dem Quicktime-Player (in der Pro-Version) in ein etwas leichter zu verarbeitendes Format zu konvertieren – denn 3ivx ist nicht für den Videoschnitt gedacht und spätestens in der FCP-Timeline könnte es Probleme geben (zum Beispiel Spratzer und merkwürdige Bildsprünge).

Laden Sie also jede einzelne Datei, die Sie für den späteren Schnitt benötigen, mit Quicktime Pro, trimmen Sie diese nach Bedarf und exportieren Sie sie anschließend als Quicktime-Filme mit dem ProRes-Codec und folgenden Optionen:

Export-Optionen des Flip-Videos

Die neuen Dateien sind jetzt zwar etwa neun mal so schwer wie die Originale, lassen sich dank Intraframe-Kodierung nun aber viel besser und vor allem fehlerfrei mit FCP bearbeiten.

(Am Rande: Warum der ProRes-Codec (1, 2)? Entwickelt wurde er von Apple speziell für die Bearbeitung von Rohmaterial, das in nicht schnittfreundlichen Formaten vorliegt. Ich habe den ganzen hier beschriebenen Ablauf auch mit dem älteren Apple Intermediate Codec ausprobiert, aber leider führt das zu oben beschriebenen Spratzern. Mit dem DVCPRO50-Codec lief es wiederum einwandfrei. Doch kurioserweise muss auf der Timeline – trotz korrekter Voreinstellungen – gerendert werden.)

Laden Sie ihre gewandelten Dateien nun in den FCP-Browser und legen Sie dann eine neue Sequenz mit folgenden Voreinstellungen an:

Sequenzeinstellungen für Rohmaterial von der Flip-Kamera (Modelle Ultra und Mino)

Nun können Sie Ihr Rohmaterial ohne Probleme (und vor allem ohne zu rendern) auf der FCP-Timeline verarbeiten.

Da die meisten Videos später im Flash-Format mit On2 VP6-Kodierung direkt in Webseiten eingebunden werden, exportieren Sie Ihr fertiges Werk als Quicktime-Film und übernehmen dabei die aktuellen Sequenz-Einstellungen (also den ProRes-Codec mit 30 Bildern pro Sekunde).

Exporteinstellungen für den fertig geschnittenen Clip als Referenzdatei

Die daraus resultierende Quicktime Referenz-Datei wird natürlich entsprechend groß (je nach Länge des Videos einige hundert MB). Diese Datei können Sie nun beispielsweise an Sorenson Squeeze übergeben, um sie etwa mit folgenden Parametern auf wenige MB zu quetschen.

Einstellungen für Sorenson Squeeze

Im zweiten Teil beschreibe ich, wie Sie Ihr Rohmaterial von der Flip MinoHD mit Final Cut Pro bearbeiten können.

Im dritten und letzten Teil wird es dann um die Frage gehen, wie Sie Flip-Videos mit dem Rohmaterial von professionellen VJ-Kameras in der Postproduktion optimal mischen können.

reelkirchen.tv und die Flip

Großer Videojournalismus sieht sicher anders aus als das, was mein Hobby-Fußballclub zurzeit auf seiner Website reelkirchen.tv veranstaltet. Aber ich mag es – auch wenn ich befangen bin, weil ich daran mitwirke. Auf mich wirkt das ganze authentisch und ehrlich.

Auf reelkirchen.tv versuchen wir eine komplette Saison mit Hilfe von kurzen Videos zu dokumentieren. Dabei setzen wir die Flip ein.

Die Flip ist eine Point-and-Shoot-Videokamera, die zurzeit gerade mal 110,- Euro kostet und vor allem durch ihre simple Bedienbarkeit besticht. Viel mehr als einen Start- und Stopschalter für die Aufnahme gibt es nicht, den ganzen Rest (Weißabgleich, Tonpegel) regelt die Kamera selbst.

Gerade diese einfache Bedienbarkeit kommt uns natürlich entgegen, weil jeder Spieler einmal die Kamera in die Hand nimmt und filmt. Große Erklärungen vorher kann man sich also sparen.

Welche technischen Erfahrungen wir bisher mit der Flip (in unserem Fall das Modell „Ultra“) gesammelt haben, habe ich vor kurzem auf onlinejournalismus.de zusammengefasst. Dort gehe ich auch der Frage nach, ob die Flip für redaktionelle Einsätze zu gebrauchen ist.

Wer einmal sehen will, wie die Flip bei etwas aufwändigeren Produktionen abschneidet, sollte sich diesen Clip anschauen. Darin geht es um einen Vergleich zwischen einer Canon XH-A1 und der Flip.

Klar, die beiden Kameras kann man nicht vergleichen. Aber wenn das Endergebnis lediglich ein kleines, sauber komprimiertes Webvideo ist, vielleicht schon.