Das Tamron 17-70 f/2.8 im Zusammenspiel mit der Sony FS5

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Video-Link: https://vimeo.com/527013118

Focus Breathing, Parfokalität und Bildstabilisator – diese drei Aspekte habe ich in diesem Video getestet. Wer es in andere Kontexte einbetten will, gern – solange dies ohne kommerzielle Absichten geschieht. Veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Auf Vimeo gibt’s das Video hier.

Als ich hier Ende vergangenen Jahres über die Info stolperte, dass Tamron in Kürze ein lichtstarkes Objektiv für APSC/35mm-Sensoren mit universeller Brennweite und eingebautem Bildstabilisator veröffentlichen wird, war mein Interesse sofort geweckt. Könnte das Tamron 17-70 f/2.8 an der Sony FS5 eine Alternative sein zu meiner seit Jahren bewährten, aber keinesfalls fehlerfreien Kombi aus Canon EF 24-105 f/4 (Version 1) und Metabones Speed Booster? Beide Varianten decken in etwa denselben Brennweitenbereich ab und sind theoretisch identisch in ihrer Lichtstärke.

Das 2005 erstmals auf dem Markt erschienene Canon-Objektiv ist natürlich mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen (auch wenn es zwischenzeitlich mal halbherzig aufgefrischt wurde). An der FS5 wirkt das Objektiv mit dem Speed Booster etwas klobig und ist ein wenig frontlastig. Gerade das macht sich an längeren Arbeitstagen im Handgelenk bemerkbar, wenn man die Kamera häufig frei aus der Hand führt. Denn Adapter und Linse bringen rund 830 Gramm auf die Waage, dabei sind Filter oder Gegenlichtblende noch nicht mitgerechnet. Das Tamron-Objektiv passt mit seinen 525 Gramm (ebenfalls ohne alles) natürlich deutlich besser zu einer leichten Kamera wie der FS5.

Tamron 17-70 f/2.8 vs. Canon 24-105 f/4 mit Speed Booster an der Sony FS5
Sony FS5 mit Tamron 17-70 f/2.8 (links) und Canon 24-105 f/4 samt Metabones Speed Booster (rechts).

Haptik: Focus-by-wire vs. komplett mechanisch

Die Tamron-Linse verfügt über zwei Ringe: Der hintere ist zum manuellen Fokussieren gedacht, der vordere zum Zoomen. Diese Anordnung finde ich gewöhnungsbedürftig, denn sie weicht ab von den Standards aller anderen mir bekannten Objektive. Normalerweise befindet sich der Zoom-Ring hinten und der Fokussier-Ring vorn, so wie es auch bei sämtlichen Canon-Objektiven der Fall ist. Wer also auf das Tamron 17-70 umsattelt und gern manuelle Kontrolle über die Schärfe hat, wird sich umgewöhnen müssen.

Apropos manuelle Schärfe: Die meisten modernen elektronischen Objektive sind heute mit der Focus-by-wire-Technik ausgestattet, das heißt ein Dreh am Ring wird zunächst auf einen Motor übertragen, der dann wiederum für die Verschiebung der Linsen im Objektiv sorgt. Das geschieht in der Regel nicht ohne eine minimale Zeitverzögerung, die aber große Auswirkungen auf die Bildgestaltung haben kann. Denn wenn das, was ich mit der Hand am Objektiv mache erst verzögert eintritt, kann einen das schnell zur Verzweiflung treiben. Hinzu kommt, dass das Schärfeziehen nicht verlässlich reproduzierbar ist: Drehe ich langsam am Ring, ist der Fokusweg länger, drehe ich schneller, ist er kürzer.

Wer mit moderneren Kameras als der Sony FS5 arbeitet und über verlässliche Automatik-Funktionen wie Gesichtserkennung oder Fokussierung über Touch-Screen verfügt, wird das kaum stören – eher im Gegenteil: Das Tamron 17-70 findet und hält die Schärfe dann offenbar recht zuverlässig, zumindest bei einfachen Aufgabenstellungen. Zwar gibt es auch in der FS5 eine Gesichtserkennungsfunktion, doch die lässt sich für das Tamron-Objektiv nicht aktivieren.

Das Canon 24-105 ist hingegen ein vollkommen mechanisches Objektiv. Jeder Dreh am Fokus-Ring wird direkt ohne jegliche Verzögerungen auf die Linsen übertragen, Fokus-Wege sind verlässlich reproduzierbar.

Während es keinerlei Schalter am Gehäuse des Tamron 17-70 f/2.8 (links) gibt, kann man am Canon 24-105 f/4 (rechts) zwischen AF/MF wechseln und den Bildstabilisator an- und ausschalten.

Vermutlich um die Resistenz gegen Feuchtigkeit zu erhöhen (und möglicherweise auch Herstellungskosten zu sparen), hat Tamron auf Schalter am Gehäuse komplett verzichtet. Glücklicherweise befindet sich das Objektiv an der Sony FS5 direkt nach dem Einschalten im manuellen Modus. Um jedoch den Bildstabilisator zu aktivieren, muss man ins Kamera-Menü abtauchen oder – besser noch – dauerhaft eine der sechs externen Funktionstasten an der Kamera damit belegen.

Der Bildstabilisator des Tamron 17-70 lässt sich glücklicherweise in der Sony FS5 aktivieren.
Der Bildstabilisator des Tamron 17-70 lässt sich glücklicherweise in der Sony FS5 aktivieren.

Der Bildstabilisator: An der FS5 funktioniert er nicht so wie er soll

Eine der wichtigsten Funktionen für meine Arbeitsweise ist ein verlässlicher Bildstabilisator – und zwar einer, der nicht nur für die Fotografie optimiert wurde, sondern eben speziell für Videoarbeit geeignet ist. Leider hat mich der Stabilisator des Tamron 17-70 im Zusammenspiel mit der FS5 überhaupt nicht überzeugt. Zwar arbeitet er total leise, was man vom Canon 24-105 nicht gerade behaupten kann. Dort ist ein ständiges Surren zu hören, was sich in leisen Umgebungen in die Tonaufnahme einpflanzt.

Doch selbst wenn man die Kamera nur geradeaus hält und gut mit der rechten Hand im Griff, der linken unterm Objektiv und dem Auge am Sucher vorstabilisiert, produziert das Tamron 17-70 immer noch ein leichtes Zittern, hin und wieder sogar mit gelegentlichen Aussetzern – auch bei kurzen Brennweiten. Wer sich’s anschauen möchte: In meinem Testvideo oben bzw. auf Vimeo sind sämtliche Bildstabilisator-Experimente ab Minute 05:00 zu sehen.

Besonders störend fand ich, dass der Stabilisator erst etwa ein bis zwei Sekunden benötigt, bevor er aktiv wird. Das betrifft sowohl das Einschalten über einen belegten Funktionsschalter als auch kleinere Schwenks frei aus der Hand. Ist das Bild auf dem Startmotiv noch ruhig, scheint der Schwenk den Stabilisator kurz zu deaktivieren. Angekommen auf dem Zielmotiv zittert das Bild dann solange, bis er sich wieder einschaltet. Das Resultat: Eine nicht wirklich brauchbare Aufnahme.

Dieses Problem scheint aber tatsächlich nur ältere Kameras wie die FS5 zu betreffen, die von Sony leider schon seit längerem nicht mehr durch Firmware-Updates unterstützt wird. In diesem ausführlichen Testvideo schneidet der Stabilisator im Video-Modus hingegen wirklich sehr überzeugend und komplett anders als an der FS5 ab. Dort wurde das Objektiv an einer Sony Alpha 6600 getestet.

Da ist es kaum überraschend, dass der Stabilisator des Canon 24-105 an der FS5 um Längen besser arbeitet. Ohnehin ist er insgesamt sehr überzeugend: Als er vor mehr als 15 Jahren entwickelt wurde, war die DSLR-Revolution noch nicht absehbar und sämtliche Entwicklungsarbeit daran kann nur der Fotografie gegolten haben. Ein echter Glücksfall also.

Bei geradeaus gehaltender Kamera, durch den Körper entsprechend vorstabilisiert, leistet der Stabilisator ganze Arbeit: keine Wackler, keine Aussetzer, egal ob kurze oder lange Brennweite – wie in diesem Test-Video zu sehen. Nach dem Einschalten ist er sofort da.

Auch mit Schwenks hat das Canon 24-105 wenig Probleme. Am Ende einer Links-Rechts-, Oben-Unten- oder Diagonalbewegung kommt das Bild zügig zum Stehen, kein Zittern, kein Wackeln. In all den Jahren mit dem Objektiv sind mir beim Schwenken nur ganz selten Artefakte aufgefallen, die offensichtlich durch den Stabilisator hervorgerufen wurden. Ich konnte sie aber nie reproduzieren.

Ist das Tamron 17-70 f/2.8 parfokal?

Doch wie sieht’s mit Parfokalität aus – eine Eigenschaft, die Videoschaffende aus dem Journalismus, der dokumentarischen Arbeit oder dem Event-Bereich oft gern nutzen würden, über die aber nur die wenigsten Foto-Objektive verfügen.

Warum ist das so wichtig? Wer unter Zeitdruck arbeitet, muss in sehr kurzer Zeit die Schärfe auf dem Motiv einstellen. Beim zwischen Tür und Angel abgefangenen Interviewpartner sind das z.B. die Augen, idealerweise das ganze Gesicht inkl. der Ohren. Mit parfokalen Objektiven zoomt man kurz auf die Augenpartie, stellt die Schärfe ein und zieht wieder auf den gewünschten Bildausschnitt auf. Selbst Zooms wären nun während des Interviews möglich, denn solange sich der Abstand zwischen Kamera und Gesicht nicht verändert, wird das Motiv über die gesamte Brennweite scharf dargestellt. Dafür sorgt das mechanische Linsenspiel im Body des Objektivs.

Das Tamron ist nicht parfokal, behilft sich aber eines elektronischen Tricks, um das Linsenspiel im Body ständig nachzukorrigieren. Die zuvor beschriebene Arbeitsweise zum Schärfeziehen ist mit diesem Objektiv also möglich, doch Zooms und Aufzieher während der Aufnahme sehen etwas „flatterig“ aus. Nicht jedes einzelne Bild auf der Zoomstrecke ist scharf. Wie sich das auswirkt, sieht man in meinem Test-Video ab Minute 03:17.

Schnell die Blende verstellen?

Wie sicherlich die meisten FS5-User nutze auch ich das vordere Rädchen am Handgriff, um schnell mit dem Zeigefinger die Blende zu verstellen. Natürlich sollte auch das so schnell wie möglich gehen.

Mit dem Einstellrad am vorderen Handgriff die Blende des Objektives verstellen
Das kleine Einstellrad ließe sich alternativ auch für die Steuerung des variablen ND-Filters konfigurieren.

Hier ein kurzes Vergleichsvideo zwischen dem Tamron 17-70, das den Blendenbereich von f/2.8 bis f/22 abdeckt, sowie dem Canon 24-105, das über den Metabones Speed Booster auf eine nahezu identische Brennweite reduziert wird und dessen Blendenskala dadurch von f/2.8 bis f/16 reicht.

Wie schnell lässt sich die Blende über das Scrollrad am Handgriff der Sony FS5 öffnen und wieder schließen? Kurzer Vergleich zwischen dem Tamron 17-70 f/2.8 und dem Canon 24-105 f/4 mit Metabones Speed Booster.

Ergebnis: Kaum ein Unterschied. Beide Objektive öffnen und schließen die Blende über 1/3-Zwischenstufen gleichermaßen schnell.

Verzeichnungskorrektur

Eines der größten Probleme des Canon 24-105 in Kombination mit der Sony FS5 ist die starke Verzeichnung im Weitwinkel-Bereich, die vor allem bei Aufnahmen von Architektur schwer ins Gewicht fällt und Linien im Bild sehr verbogen aussehen lässt. Die FS5 kann das bei diesem Objektiv auch nicht elektronisch korrigieren. Das hat mir in der Vergangenenheit immer wieder mal Aufnahmen beschert, die ich lieber nicht benutzt hätte.

Die gute Nachricht: Die im Vergleich nicht so starke optische Verzeichnung des Tamron 17-70 wird von der FS5 komplett korrigiert, sowohl im HD- als auch im Ultra HD-Modus.

Die Verzeichnungskorrektur kann über das Menü der FS5 für das Tamron 17-70 aktiviert werden
Die Verzeichnungskorrektur kann über das Menü der FS5 für das Tamron 17-70 aktiviert werden.

Ohne Korrektur kommt es beim Tamron 17-70, wie bei so ziemlich allen Zoom-Objektiven, zu einer tonnenförmigen Verzeichnung, die die FS5 dank der im Objektiv hinterlegten Korrekturdaten komplett entfernt.

Sony FS5 mit Tamron 17-70 bei 17mm: Verzeichnungskorrektur aus/an
Das Tamron 17-70 bei 17mm Brennweite. Links: Verzeichnungskorrektur aus, rechts an.

Bei 70mm Brennweite käme es ohne Korrektur hingegen zu einer kissenförmigen Verzeichnung.

Sony FS5 mit Tamron 17-70 bei 70mm: Verzeichnungskorrektur aus/an
Das Tamron 17-70 bei 70mm Brennweite. Links: Verzeichnungskorrektur aus, rechts an.

Persönliches Fazit: An der Sony FS5 halte ich das Tamron 17-70 für keinen adäquaten Ersatz der Canon 24-105/Speed Booster-Kombi. Das liegt aber vor allem an der in die Jahre gekommenen FS5, die eines der wichtigsten Features des Tamron-Objektivs, den Bildstabilisator, nicht richtig nutzen kann. Ob ein Firmware-Update (entweder fürs Objektiv oder für die FS5) da helfen könnte? Für die FS5 wird das aber wohl nie erscheinen, das zeigt meine Erfahrung als Sony-Kunde.

Auch Focus-by-wire ist wirklich nicht jedermanns Sache und hat mich immer von Sonys 18-105 f/4 ferngehalten, das auf dieselbe Technologie setzt. Warum die Tamron-Entwickler aber Zoom- und Schärfering in der Reihenfolge vertauscht haben, wird ihr Geheimnis bleiben. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Objektiven würde mich das auf jeden Fall immer wieder verwirren.

Solange Sony keinen adäquaten Nachfolger für die FS5 entwickelt (die FX6 ist es definitiv nicht, trotz der äußeren Ähnlichkeit) und weitgehend manuelles Arbeiten nach wie vor der Standard mit dieser Kamera ist, wird in Sachen Allround-Objektiv alles beim Alten bleiben. Funktioniert ja auch prima und hat sich über die Jahre bewährt.

Hinweis: Die Firma Tamron hat mir das Objektiv auf Nachfrage für ca. drei Wochen ausgeliehen. Daran waren keinerlei Bedingungen geknüpft. Diesen Blog-Eintrag habe ich aus freien Stücken geschrieben.

ATEM Mini: Audio-Delay von direkt angeschlossener Tonquelle und Kamera ausgleichen

Wer das kleine ATEM Mini-Mischpult für Online-Workshops oder Web-Konferenzen einsetzt, kann hinten zwei externe Tonquellen anschließen. Oft tritt dabei aber das Problem auf, dass der Ton zur übertragenden Kamera leicht asynchron ist.

Direkter Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an die Blackmagic ATEM Mini
Direkter Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an das ATEM Mini-Mischpult.

Das kann mehrere Gründe haben: Die Tonquelle selbst, in meinem Fall eine Sennheiser AVX-Funkstrecke, hat selbst schon eine leichte Latenz von 19 Millisekunden, also mehr als ein halbes Frame. Das allein wäre nicht weiter schlimm, aber hinzu kommt noch die leichte Verzögerung des HDMI-Ausgangs der als Webcam angeschlossenen Videokamera, hier im Beispiel eine Sony FS5. In der Summe können bei einer Übertragung daraus mehrere Frames Verzögerung zwischen Lippenbewegungen und Gesagtem entstehen. Für alle Beteiligten auf der anderen Seite des Online-Meetings sähe das auf Dauer irritierend aus.

Mit der zum Mischpult gehörenden Software lässt sich das Problem relativ einfach lösen. Denn für die Mikrofon-Eingänge gibt es kleine Drehregler, mit denen du diesen Frame-Versatz ausgleichen kannst.

Zwei Frames Verzögerung bei direktem Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an die Blackmagic ATEM Mini
Beispiel Sony FS5: Um genau zwei Frames läuft der Ton verzögert ab, wenn man eine Sennheiser AVX-Funkstrecke direkt an das ATEM Mini-Mischpult anschließt.

Um herauszufinden, welcher Wert für deine eigene Mikro- und Kamerakonstellation passend ist, bleiben dir ein paar Testaufnahmen nicht erspart. Von Aufnahme zu Aufnahme erhöhst du dabei den Wert für die Verzögerung um jeweils ein Frame. Drei bis vier solcher Testaufnahmen sollten reichen. Dafür empfehle ich die Open Source-Software OBS Studio (für Windows, Linux und macOS).

Bei jeder Aufnahme klatschtst du einmal deutlich sichtbar und hörbar in die Hände. Im Schnittprogramm deiner Wahl wirst du dann sehr schnell sehen, bei welcher Aufnahme der Peak genau synchron ist mit den geschlossenen Händen.

Der Audio-Peak ist synchron mit dem Händeklatschen im Bild

Empfehlenswerter ist es natürlich, die Tonquelle direkt an die Kamera anzuschließen und sie darüber auch auszusteuern. Dann ist die Übertragung garantiert lippensynchron. Aber da viele kleinere Kameras zum Beispiel aus dem DSLM-Segment oft nicht mal Tonanschlüsse haben oder die gesamte Tonsteuerung schlecht implementiert wurde, ist dieser Weg sicher der Verlässlichere.

Die Kamera auf See schützen

Vor einigen Wochen waren Markus Böhnisch und ich an Bord des Trawlers Ellen Bach, wo wir erlebt haben, wie Fischfang in der Nordsee heute funktioniert. Eine Woche lang haben wir die dänische Crew rund um Kapitän Peter Iversen auf der Fahrt von Skagen bis vor die britische Küste und zurück begleitet.

Der wichtigste Teil unserer Dreharbeiten, das Fischen der rund 600 Tonnen Hering in britischen Gewässern, fand bei ziemlich starkem Dauerregen statt (im Film bei ca. 13:48 für zwei Minuten zu sehen).

Nachts auf der Ellen Bach: Fischer beim Heringsfang im Regen
Nachts auf der Ellen Bach: Fischer beim Heringsfang im Regen (Videostill aus dem Film).

Um unter diesen Bedingungen Bilder zu drehen, mussten wir die beiden Kameras gut schützen, sie dabei aber bedienbar halten. Wichtig war uns, dass

  • Zoom- und Schärferinge am Objektiv schnell ertastbar bleiben,
  • die Blende zügig verstellbar ist,
  • die Schalter für Weißabgleich und Gain ohne Aufwand zu erreichen sind,
  • ein kleines Kopflicht auf kurze Distanz für sanfte Aufhellung sorgt,
  • guter oder mindestens akzeptabler Atmo-Ton aufgezeichnet wird,
  • sowohl das LCD-Display als auch der Sucher für die Bildkontrolle verwendet werden können.

Wir nutzen beide die Sony FS5, eine kompakte und sehr ergonomische Super35-Handkamera, für Videojournalismus eine gute Option. Beide Kameras waren aufeinander abgestimmt, das heißt sie hatten identische Bildprofile und eine fast gleiche Funktionstastenbelegung.

Ende 2005 hatte ich mir für meine damals eingesetzte Panasonic DVX100 einen Regenschutz von Petrol mit der Typenbezeichnung „PRC-PA-DVX-N“ gekauft, der überraschenderweise recht gut zur FS5 passt. Wer also auf der Suche nach einem adäquaten Schutz für diese Kamera ist und nicht gleich mehrere hundert Euro für sowas ausgeben möchte, sollte sich auf dem Gebrauchtmarkt mal umsehen.

Mit ein paar Velcro-Punkten an Kamera und Objektiv lässt sich der Schutz zusätzlich gut befestigen. Das LCD-Display muss allerdings hinten links am Handgriff angebracht werden, sonst passt es nicht (die meisten FS5-Nutzer befestigen den Monitor vermutlich eher vorne links).

Sony PXW-FS5 nach Dreharbeiten bei starkem Dauerregen auf dem dänischen Herings-Trawler Ellen Bach
Sony FS5 mit Petrol-Regencape PRC-PA-DVX-N (nur noch gebraucht erhältlich).

Sobald sich allerdings die ersten Regentropfen auf der durchsichtigen Folie über dem LCD-Display ausgebreitet haben, ist eine verlässliche Bildkontrolle kaum noch möglich, zumindest nicht, wenn es um die Beurteilung der Schärfe geht.

Um das Bild bei Bedarf über den Sucher zu kontrollieren, würde ich raten, die Funktion „VF/LCD Panel“ im Menü auf AUTO zu stellen. Weil die FS5 das Bild leider nicht zeitgleich auf dem Display und im Sucher anzeigen kann, schaltet sie nun immer um, sobald sich das Auge dem Sucher nähert. Leider funktioniert diese Automatik etwas übersensibel, weshalb ich sie sonst komplett abgeschaltet lasse und bei Bedarf lieber den Schalter am oberen Rand des Displays umlege – doch das geht kaum, wenn die Kamera komplett unterm Regenschutz verpackt ist.

Sony FS5: Automatisches Umschalten zwischen Viewfinder und LCD-Display
Automatisches Umschalten zwischen Viewfinder und LCD-Display.

Fürs Aufhellen auf kurze Distanz, zum Beispiel von Gesichtern bei Interview-Statements, nutze ich normalerweise eine Dedolight Ledzilla-Kopfleuchte. Doch die hätte den starken Regen vermutlich nicht überlebt. Weil der Blitzschuh-Adapter am oberen Handgriff durch den Regenschutz permanent verdeckt war, habe ich stattdessen vorne links am Handgriff eine sehr kompakte und vor allem wasserdichte Mini-LED-Lampe, die Litra Torch 2, befestigt. Sie strahlt 5700K-Tageslicht ab, das sich über ein optionales Folienset samt Halterahmen auf Kunstlicht wandeln lässt. Dank des Diffusors ist das Licht sehr weich und eignet sich auf kurze Distanz optimal für Interviews. Allerdings hält der intern über USB aufladbare Akku auf maximaler Stufe höchstens 45 Minuten, eher kürzer.

Sony PXW-FS5 mit Litra Torch 2.0 und SmallRig-Befestigung
Sony PXW-FS5 mit Litra Torch 2.0 und SmallRig-Befestigung.

Um die Leuchte vorn links anzubringen, bieten sich die beiden SmallRig-Adapter (1831 und 860) an. Sie sind stabil, leicht, kompakt und individuell verstellbar.

Ein wenig Glücksspiel blieb die Sache mit den Mikrofonen. Ich nutze das Audio Technica AT875R, ein Richtmikrofon, das für seinen Preis eine erstaunlich gute Qualität liefert und dabei sehr kompakt ist. Auch bei weitwinklingen Aufnahmen ragt es mit Windschutz nicht ins Bild.

Mit Wasser vollgesogener Mikrofon-Windschutz.
Mit Wasser vollgesogener Mikrofon-Windschutz.

Wie lange wir die Mikros unter diesen Bedingungen einsetzen konnten, wussten wir vorher nicht. Insgesamt haben die Seeleute drei Mal ihre Netze eingeholt, leergepumpt und auf die Tanks verteilt, bis sie ihre 600 Tonnen Hering an Bord hatten. Und jedes Mal hat es dabei stark geregnet. Pro Vorgang brauchten wir etwa 45 Minuten, um die benötigten Bilder im Kasten zu haben. Viel länger hätte es wahrscheinlich auch nicht dauern dürfen. Die Mikros haben es überlebt, die Windschütze landeten jedes Mal zum Trocknen im Maschinenraum und die Atmo hatte die Qualität, die wir uns erhofft hatten.

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