Ein paar Gedanken zum Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) an der Sony FS5

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://vimeo.com/195638933

Dieses Video habe ich ausschließlich mit dem Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) und der Sony FS5 gedreht. Die Musik, auf der das komplette Stück basiert, heißt „Crackle.ar“ und stammt von Lalo. Das gesamte Album „.geom“ liegt auf Archive.org und wurde unter Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0) zur Verfügung gestellt. Das Video habe ich ebenfalls unter derselben Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0) veröffentlicht.

Vor einiger Zeit bin ich auf diesen Thread auf BMCuser.com gestoßen und neugierig auf das Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 geworden – ein Objektiv, das schon lange nicht mehr hergestellt wird und daher nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu kriegen ist. Die Rahmendaten machten einfach einen ziemlich guten Eindruck für ein potenzielles Immerdrauf-Objektiv – also eines, für das man sich entscheidet, wenn man nur ein einziges für die gesamte Arbeit verwenden würde. Ich hatte Glück und für etwa 250,- Euro fiel mir ein nahezu neuwertiges Exemplar mit Nikon-Mount in die Hände (danke, Sascha!).

Wer sich für dieses Objektiv interessiert und keinen Fehlkauf riskieren will, sollte ziemlich genau hinschauen, da es eine Fülle verschiedener Versionen gibt. Einen gut recherchierten Überblick über die fünf verschiedenen Varianten, die Tokina im Laufe der Jahre herausgebraucht hat, gibt der Fotograf John Caz in seinem Blog. Kurz zusammengefasst: Wer eine der Versionen mit der legendären Angénieux-Rechnung haben will, die Tokina seinerzeit lizensiert hatte, sollte entweder nach der Version Pro I (u.a. erkennbar an der abschraubbaren Metallsonnenblende) oder der Version Pro II (mit der tulpenförmigen Plastiksonnenblende) Ausschau halten. Beide Objektive verfügen über ein 77mm-Filtergewinde (und nicht, wie spätere Versionen, über ein 72mm-Gewinde). Ich besitze die Version Pro I, habe die Metallsonnenblende aber gegen eine andere ausgetauscht.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://vimeo.com/195876457

In diesem Video habe ich einige Eigenschaften wie Zoom, Aufzieher, Schärfe und Parfokalität getestet. Um das Objektiv an die Sony FS5 anzuschließen, habe ich zwei verschiedene Adapter verwendet: Den RJ Focal Reducer und den Novoflex-Adapter. Das Video habe ich unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht.

Was ist jetzt so besonders an dem Tokina?

Zunächst die Haptik. Das Objektiv ist sehr hochwertig gebaut: Kein Plastik, satt laufende und gut dimensionierte Ringe für Fokus und Zoom. Die Brennweite lässt sich so angenehm sanft verstellen, dass sehr professionelle Zoomfahrten und Aufzieher möglich sind, fast so wie bei einem EB-Objektiv oder einem Filmzoom. Angenehmer Nebeneffekt (und untypisch für ein Objektiv, das ursprünglich für Fotokameras hergestellt wurde): Während des Zooms/Aufziehers verändert das Objektiv seine Länge nicht. Wer also mit einer Mattebox und Filtereinschüben arbeitet, wird seine Freude daran haben.

Zudem scheint das Objektiv mehr oder weniger parfokale Eigenschaften zu haben, will heißen: Die Schärfe eines bereits fokussierten Objekts ändert sich auch nach einem erneuten Zoom/Aufzieher nicht, solange die Distanz zwischen Kamera und Objekt identisch bleibt.

Die Nikon-Version hat einen eigenen Blendenring von f/2.6 bis f/22, der allerdings ohne Zwischenstufen gesteuert wird. Um manuell zu fokussieren, muss man den Schärfering nach hinten ziehen. Dann rastet er ein und der Autofokus-Motor (der über die FS5 sowieso nicht gesteuert werden kann) ist entkoppelt. Wer andere Tokina-Objektive besitzt, kennt diesen Mechanismus.

Beim Verlagern der Schärfe ist je nach Brennweite und Blendenöffnung ein leichter Breathing-Effekt in den Bildern zu sehen. Um die Schärfe von unendlich auf den kürzesten Abstand von 0,7 Metern zu verlagern, bedarf es lediglich einer viertel Umdrehung des Fokusrings. Wer szenisch mit Follow Focus arbeitet und sehr sanfte, präzise Schärfeverlagerungen machen möchte, mag das zu kurz finden. Für journalistisches, dokumentarisches Arbeiten finde ich kurze Fokuswege persönlich angenehmer.

Bei Offenblende ist das Bild ein wenig weicher, lässt sich aber mit einfachen Mitteln in der Postproduktion (Kontrast erhöhen) schärfen. Eine sichere Bank ist auf jeden Fall der Bereich von f/4 bis f/8. Wer mehr über die technischen Eigenschaften erfahren will, schaut sich am besten den Test der Version Pro II auf photozone.de an.

Die Art und Weise, wie das Tokina unscharfe Bildbereiche zeichnet, finde ich persönlich sehr angenehm und schmeichelhaft fürs Auge. Wer Blendenflecke bei Gegenlicht nicht als Fehler, sondern als eigenartigen Charakter eines Objektivs begreift, wird voll auf seine Kosten kommen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://vimeo.com/196892914

Dieses Video habe ich ebenfalls ausschließlich mit dem Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) und der Sony FS5 gedreht und unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht. Die Musik stammt von Maciej Kulesza, der seine Sammlung Ambient For Film unter Creative Commons Lizenz (CC BY 3.0) zur Verfügung stellt.

Da das Objektiv für Vollformat-Kameras entwickelt wurde, kann man es natürlich mit einem Fokalreduktor verwenden, was auch nötig ist, wenn man einigermaßen weitwinklig arbeiten möchte. Ich verwende dazu den recht günstigen, aber sehr brauchbaren RJ Focal Reducer, der die Brennweite um den Faktor 0,72 verkürzt. Beim Crop-Faktor des FS5-Sensors (1,5) heißt das (nach folgender Rechnung: 28-70mm x 1,5 x 0,72), dass man ungefähr das Sichtfeld eines 30-76mm-Objektivs an einem Vollformat-Sensor erreicht. Allerdings mit einem Nebeneffekt: Unter bestimmten Umständen produziert der Adapter einen blauen Fleck bei Gegenlicht, der meiner Meinung nach umso stärker auffällt, je geschlossener die Blende ist. Folgendes Bild zeigt, wie der Effekt aussieht:

Blauer Fleck in der Aufnahme mit dem RJ Focal Reducer

Diese Aufnahme habe ich ungefähr mit f/16 oder f/22 gemacht, ich weiß es nicht mehr genau. In der Mitte ist der unerwünschte Effekt zu sehen (wegen des S-Log3-Profils sieht das Bild sehr verwaschen aus, ich habe es bewusst nicht nachbearbeitet).

Schließt man das Objektiv hingegen mit einem Adapter ohne Brennweitenverkürzung (wie z.B. dem Novoflex-Adapter) an, ergibt sich ein kleinbildäquivalentes Sichtfeld von etwa 42-105mm.

Mit zwei Adaptern hat man also im Prinzip zwei Objektive in einem, damit weniger zu tragen und kombiniert mit dem obendrein wirklich brauchbaren Center-Scan-Modus der FS5 ein sehr flexibel einsetzbares Werkzeug mit einem angenehm analogen Charakter.

Zwei Tokina-Zoom-Objektive für die Panasonic AG-AF101

Um mit der Panasonic AG-AF101 zügig und in reportageähnlichen Situationen arbeiten zu können, habe ich mich für zwei lichtstarke Zoom-Objektive von Tokina entschieden: Das AT-X 165 PRO DX mit einer Brennweite von 16-50mm und das AT-X 535 PRO DX, das den Bereich von 50-135mm abdeckt. Bei beiden beträgt die größtmögliche Blendenöffnung f/2.8 über den gesamten Brennweitenbereich. Ausführliche Testberichte zu diesen Objektiven (1, 2) gibt’s auf photozone.de.

Panasonic AG-AF101 mit Tokina AT-X 165 PRO DX und Tokina AT-X 535 PRO DX

Ich habe mich übrigens für die Nikon-Version dieser Objektive entschieden, denn neuere Canon-Objektive an die AF101 anzuschließen ist nach wie vor komplizierter, da sich die Blende ausschließlich elektronisch steuern lässt.

Zwar gibt es Adapter für solche Canon-Objektive ohne eigenen Blendenring (Redrock LiveLens MFT Active Lens Mount: 1, 2; MTF Services EOS Adapter: 1, 2), aber die sind recht teuer und lohnen sich wohl erst, wenn man bereits mehrere Objektive hat. Wegen der Batterie, die diese Adapter benötigen, sind sie obendrein auch etwas klobig.

Der lang angekündigte und vielleicht nach der NAB-Show 2012 erhältliche Birger-Adapter könnte zwar eine vielversprechende Lösung werden, aber eben auch eine sehr teure. Und mit etwas Glück wird vielleicht der Metabones-Adapter (1, 2), den es für die Sony FS100 bereits gibt, auch für die AF101 umgesetzt. Aber wer weiß?

Der Novoflex-Adapter NIK/MFT mit BlendensteuerungZum Glück wird die Blende neuerer Nikon-Objektive komplett mechanisch gesteuert, wenn auch ohne außen liegenden Ring. Adaptierungen sind also um einiges leichter zu realisieren als bei EOS-Objektiven. Unter der Vielzahl von Adaptern habe ich mich für den Novoflex MFT/NIK entschieden, der über einen eigenen Ring verfügt, mit dem die Blende des Objektivs stufenlos verstellt werden kann. Gerade weil die Steuerung mechanisch erfolgt, werden keinerlei Daten an die Kamera übertragen. Ob man nun mit Blende f/5.6 oder f/11 arbeitet, lässt sich allenfalls schätzen.

Viele Nutzer heben immer wieder die Verarbeitungsqualität des Novoflex-Adapters hervor. Ich kann mich nur anschließen. Allerdings haben beide Objektive minimal Spiel und sitzen nicht bombenfest auf dem Adapter, was in der Praxis aber bisher unproblematisch war. Meine Vintage-Nikkore (24mm f/2.0 AI-s, 50mm f/1.4 AI, 85mm f/2.0 AI-s) sitzen hingegen absolut fest.

Übrigens: Beim Anbringen eines Objektivs an den Adapter sollte die Blende soweit wie möglich geschlossen sein, erst dann lässt sie sich mit dem Novoflex-Adapter steuern. Die Blenden der Tokina-Objektive sind ohnehin auf die kleinste Öffnung eingestellt, wenn man sie vom Adapter bzw. einer x-beliebigen Kamera löst.

Was ich bei beiden Tokinas schätze, ist die tolle Haptik. Sowohl Zoom- als auch Schärfering laufen satt und gedämpft. Die Verarbeitung macht insgesamt einen sehr wertigen Eindruck. Beim Zoomen verändert das AT-X 535 PRO DX seine Größe übrigens nicht, es eignet sich also ideal für den Einsatz mit einer Mattebox. Das AT-X 165 PRO DX wird allerdings deutlich länger, wie der Vergleich der beiden folgenden Bilder zeigt.

Länge des Tokina AT-X 165 PRO DX bei 16mm und bei 50mm

Wie gut die Abbildungsqualität beider Linsen gerade im Zusammenspiel mit der AF101 ist, kann ich nach der kurzen Zeit noch nicht abschließend beurteilen. Ich finde aber, dass die Bilder bei 16mm und Offenblende mit dem AT-X 165 PRO DX sehr weich aussehen, am Ende der Brennweite wiederum recht scharf. Dass die typischen Schwächen in den Randbereichen der Objektive am 4/3″-Sensor der AF101 nicht so sehr ins Gewicht fallen wie beim größeren APS-C-Sensor, für den sie konzipiert wurden, kann ich nur vermuten.

Das AT-X 165 PRO DX lässt sich auf ca. 30 cm vor der Linse scharfstellen, und zwar über den gesamten Brennweitenbereich. Beim AT-X 535 PRO DX beträgt die minimale Distanz etwa einen Meter. Beides sind parfokale Linsen, das heißt: Ranzoomen, Schärfe ziehen und wieder aufziehen ist ohne Einschränkungen möglich. Die Schärfe bleibt also auch nach einem erneuten Zoom an der Stelle erhalten, wo man sie geholt hat. Und für Freunde der Schärfenverlagerung: Die Größe des dargestellten Objekts verändert sich dabei kaum bis gar nicht moderat, im kürzeren Brennweitenbereich jeweils deutlich sichtbarer als im langen (das sog. Lens Breathing).

Hier ein kurzes Testvideo mit beiden Objektiven (Zoom, Aufzieher, Schärfenverlagerung). Zum Zoomen ist das AT-X 535 PRO DX etwas besser geeignet als sein kleiner Bruder, wie man an den leichten Rucklern zu Beginn des Zooms im Video deutlich sieht.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://vimeo.com/39049837

Beide Objektive werden leider nicht mehr hergestellt. Es gibt aber noch einige Händler, die Restbestände verkaufen. Ansonsten muss man sich auf dem Gebrauchtmarkt umschauen (was ich ebenfalls getan habe).