Die neue Flip UltraHD der dritten Generation und PAL-konforme SD-TV-Halbbilder

Das neue Modell, also die dritte Auflage der Flip Ultra-Kamera, ist bereits seit einigen Monaten auf dem Markt. Ich habe hier ein Testmodell liegen, über das ich gar nicht viele Worte verlieren möchte. Denn weder am Konzept noch am Design der Kamera hat sich etwas geändert.

Interessant ist für mich lediglich ein technisches Detail, das das Gerät für mich momentan zur ersten Wahl im Bereich der Pocketkameras macht.

Die Flip Ultra der ersten Generation direkt neben der neuen Flip UltraHD

Und zwar zeichnet die Flip UltraHD der dritten Generation (genauso wie die schlankere Flip MinoHD) 50 Bilder pro Sekunde auf – und steht damit ziemlich allein da, denn alle anderen Pocketkameras zeichnen, soweit ich das überblicke, lediglich mit NTSC-typischen Raten von 30 oder 60 Bildern auf.

Interessant ist dieser kleine Unterschied für alle, die Bildmaterial der Flip mit dem Material anderer PAL-Camcorder mischen wollen. Bisher war das immer ein Problem, da sich die PAL-Bildrate von 25 Bildern (bzw. 50 Halbbildern) nur mit Abstrichen (erkennbar am deutlich sichtbarem Ruckeln) mit den 30 bzw. 60 Bildern in Einklang bringen ließ.

So ist die neue Flip selbst für SD-TV-Aufnahmen geeignet (also 720 x 576 Pixel mit 50 Halbbildern in 16:9), die man bei Gelegenheit vielleicht mal einfängt, weil man gerade keine „richtige“ Kamera dabei hat. Umrechnen lässt sich das Material problemlos mit Apples Compressor, genauso wie ich es in diesem Artikel für Rohmaterial der Canon 550D bzw. 7D oder 60D beschrieben habe. Das Material einfach auf eine SD-Timeline in Final Cut Pro zu ziehen ist nicht empfehlenswert, da der Algorithmus in Bezug auf die Halbbilder dort nicht sauber arbeitet.

Wahlweise proprietärer Akku oder drei AAA-AkkusIm Vergleich zu meiner allerersten Flip ist die der dritten Generation etwas wertiger verarbeitet. Vor allem funktionieren die Knöpfe auf der Rückseite deutlich zuverlässiger. Bei meiner alten Flip hatte ich immer das Problem, dass der rote Knopf schnell ausgeleiert war und sich Aufnahmen nicht mehr ohne weiteres stoppen ließen. Gut ist, dass die UltraHD nach wie vor über einen auswechselbaren Akku verfügt. Ein spezieller Akku wird mitgeliefert und kann via USB aufgeladen werden. Wahlweise passen aber auch drei kleine AAA-Akkus ins Batteriefach.

Die Problematik mit dem Unschärfe-Bereich direkt vor dem Objektiv bleibt, das heißt für Groß- oder gar Makroaufnahmen ist die Flip nicht geeignet. Für das Aufzeichnen von O-Ton-Statements beispielsweise im Bereich der Online-Videoberichterstattung reicht es aber nach wie vor allemal, wenn man ein paar Regeln beachtet.

Zum neuen Bildstabilisator kann ich mir bisher noch kein aussagekräftiges Urteil erlauben, ebenso zur Bildqualität, die natürlich von den jeweiligen Lichtverhältnissen am Drehort abhängt. Flip und Co sind nach wie vor Schönwetter-Camcorder, denn es ist und bleibt eben ein ambitioniertes Unterfangen, aus einem dermaßen kleinen Aufnahmesensor HD-Bilder zu zaubern.

Der Vergleich mit teuren HD-Camcordern hinkt also von vornherein und das Mischen von Bildmaterial semiprofessioneller Kameras fällt ohnehin sofort auf, zumindest dem geübten Auge. Aber wenigstens lässt sich das Ruckeln durch die unterschiedlichen Bildraten nun endlich vermeiden.

Ausführliche Testberichte der dritten Flip gibt es zum Beispiel hier, hier und hier.

HD-Material der Canon 550D/7D in SD-Material mit Halbbildern wandeln (720p50 nach 576i50)

Einen großen Teil meiner Videos produziere ich nach wie vor in der PAL-Fernsehnorm mit Zeilensprungverfahren, also in 720 x 576 Bildpunkten mit 25 Bildern pro Sekunde, die sich aus 50 Halbbildern zusammensetzen. In Zukunft werde ich wohl häufiger HD-Material der Canon EOS 550D mit SD-Material der Panasonic HPX171 mischen.

Ideal eignet sich dazu der Aufnahmemodus 1280 x 720p50 der 550D. Die 50 Vollbilder der HD-Aufnahme lassen sich recht einfach in die 50 Halbbilder des SD-Formats wandeln. Dann sehen sämtliche Bewegungen auch auf einem Röhrenfernseher völlig flüssig aus.

Apples Compressor, der zum Final Cut Studio gehört, macht da einen guten Job – auch was die Umrechnung der quadratischen HD-Pixel in die anamorphen SD-Pixel betrifft.

Wenn ich mit der HPX171 also PAL SD in DVCPRO50 aufnehme, wandle ich das 550D-Material in Compressor später mit folgenden Einstellungen:

Einstellungen zur Wandlung von 720p50-Material in 576i50

Bei den Video-Einstellungen wähle ich folgendes:

Einstellungen zur Wandlung von 720p50-Material in 576i50

Bei den Ton-Einstellungen wähle ich „Linear PCM“ als Format, Stereo-Kanäle und eine Abtastrate von 48 kHz.

Übrigens: Eine „beliebte“ Fehlerquelle ist die Halbbildreihenfolge. Wenn Sie hier etwas Falsches eintragen, zappeln die Bilder sehr stark, was vor allem bei starker innerer Bewegung im Bild oder bei Kamerabewegungen (Schwenk, Fahrt) zu sehen ist.

Ob die Halbbildreihenfolge stimmt, können Sie aber nur auf einem Videomonitor oder Fernseher mit Bildröhre kontrollieren. Denn Flachbildschirme stellen keine Halbbilder dar.

Bildgestaltung: Online-Video versus TV

Dauernd heißt es, Online-Video ist kein TV. Man solle tunlichst anders sein als das Fernsehen, wenn man online mit seinen Videos Erfolg haben will. Das habe ich bisher kaum hinterfragt und eigentlich immer so hingenommen.

Gestern bin ich beim Durchforsten meiner Feeds auf eine Diskussion im Newsvideographer-Blog gestoßen, in der es mal wieder um TV-Bashing geht. Megan Taylor kritisiert die Videos auf b-roll.net, die sie vor allem wegen der künstlichen Sprecherstimmen sofort an TV erinnern und daher kaum als Vorzeigebeispiel für onlinegerechte Aufbereitung dienen können.

Später schalten sich dann TV-Journalisten in die Diskussion ein – was sehr spannend zu lesen ist. Denn es geht um die Frage, was an Online-Videos unter gestalterischen Aspekten denn bitte so anders sein soll als im TV.

Irgendwo mittendrin schreibt Megan Taylor dann:

One of the things that we are told about video is that is does have to be different than TV news. I’m not sure how true this is, but this is the ‚party line‘. So I want to know what to do differently.

Würde mich auch mal interessieren.

Klar, die x-te Kopie einer moderierten Nachrichtensendung im Stile der Tagesschau (nur in billig) ins Netz zu stellen, funktioniert auf Dauer wohl nicht. Zumindest bei mir nicht, weil ich lesend viel schneller zum Kern der Information komme.

Aber wenn man das ganze mal runterbricht auf Beitragsebene, auf ein einziges Video mit einer in sich geschlossenen Story, die auf der Website im Videoplayer oder unterwegs auf dem iPod abgespielt wird: Wo genau liegen da die gestalterischen Unterschiede?

Markus Hündgen, Videojournalist beim Westen, hatte vor einiger Zeit mal einen Eintrag in sein Blog geschrieben, dem er die Überschrift Videopunkt-Manifest gab. Darin heißt es unter anderem: „Wir kennen die Fernseh-Regeln. Wir brechen sie, wo immer es geht.“ Klingt ziemlich radikal und ich frage mich: Wieso eigentlich?

Das Fernsehen hat doch jede Menge sinnvolle Regeln (oder besser: Empfehlungen) zu bieten, die über viele Jahre lang angewandt wurden. Warum sollen die online plötzlich nicht mehr gelten? Wer seine Bildeinstellungen nach dem goldenden Schnitt gewichtet, macht grundsätzlich nicht unbedingt etwas falsch – weder im TV noch online. Wer in die Bewegung schneidet, lässt Abläufe natürlicher aussehen – sowohl im TV als auch online. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen.

Wo also liegen die wirklichen (gestalterischen, nicht inhaltlichen – das ist ein anderes Thema) Unterschiede zwischen Online-Video und TV?

Mir fallen erstmal nur ein paar ein. Wenn mir jemand sagt, man solle online mehr auf Naheinstellungen und weniger auf Totalen setzen, weil die eingebetteten Videos auf Webseiten oder auf dem Handy bzw. anderen Abspielgeräten so klein und schlecht aufgelöst sind, dann überzeugt mich das. Was gleichzeitig die Frage nach sich zieht, wie ich Sequenzen künftig aufbauen kann, wenn ich auf Totalen weitgehend verzichten soll.

Dass die Aufmerksamkeitsspanne online noch geringer ist als im TV (lean-forward- vs. lean-back-Medium) und man sich deshalb kürzer fassen solle und noch schneller zum Punkt kommen müsse, ist auch bekannt. Doch das gilt im TV – je nach Format – ebenfalls, manchmal sogar noch extremer wegen der Längenbegrenzung.

Weitere Ideen? Anmerkungen? Hinweise und Links zu guten Beispielen stets willkommen.